Isarmündung mit Blick nach Deggendorf
Blick vom Stadtwald Geiersberg auf Deggendorf (Ortsteile Deggenau und Fischerdorf)
Isarwelle Plattling bei Sonnenuntergang
Aktiv im Landkreis Deggendorf - Grattersdorf
Landratsamt Deggendorf - Ansicht Süden
Schloss Egg

Die Befestigung des älteren Mittelalters in Wischlburg (9./10. Jahrhundert)

Mittelaltericher Graben bei WischlburgAn der Grenze zwischen den Landkreisen Deggendorf und Straubing-Bogen liegt zwischen der Donau und einem in die Hochterrasse eingeschnittenen Seitentälchen, 10 bis 12 m oberhalb der Flussaue, eine imposante, etwa 5,5 ha Innenfläche schützende Befestigung, deren Wälle und Gräben teilweise noch gut erhalten sind. Seit geraumer Zeit stehen sowohl Datierung als auch Funktion(en) in der Diskussion, doch fehlen immer noch die entscheidenden Befunde und Funde für eine gesicherte Interpretation. Zumindest eine der möglichen Funktionen dürfte aber klar sein, nämlich die Sicherung eines Donauüberganges, denn eine Toranlage an der dem Fluss zugewandten Seite, auf die sich eine mitten durch die Anlage verlaufende und zum Niveau der Donauaue hinab führende Straße bezieht, hätte sonst keinen Sinn. Im Süden ist die Umwehrung durch moderne Bebauung erheblich gestört, so dass unklar bleibt, wo dort das anzunehmende Tor für den Zugang von der „Landseite“ her lag und welche Dimensionen es aufwies.

Neben den Wehrelementen, die dem älteren Mittelalter zugeschriebenen werden, liefert uns eine Schriftquelle des Jahres 976, die von einem famulantium Viscilespurc, also einem Gut berichtet, das dem Kloster Metten gehörte und in diesem Jahr von Kaiser Otto II. an das Kloster zurückgegeben wurde, Hinweise auf die Zeitstellung. Der von Berthold, dem Sohn Arnulfs aus dem Haus der Luitpoldinger, dem Kloster bereits früher übereignete Besitz war möglicherweise bei der Konfiskation von dessen Besitztümern 955 versehentlich mit eingezogen worden, woraus sich ein Rückgabegrund ableiten ließe. Diese Schriftquelle ist nicht nur mit dem Ort sondern auch mit der Befestigung in Verbindung zu bringen, da sich die Besiedlung auch heute noch auf die umwehrte Fläche konzentriert. Unklar bleibt, wie die Verbindung mit dem Kloster Metten zu interpretieren ist, denn der Platz wird mit guten Gründen als herzogliches Fiskalgut angesehen, und auch die Errichtung der Anlage dürfte auf herzogliches Betreiben zurückzuführen sein. Das würde bedeuten, dass der Ursprung der Befestigung ganz erheblich vor 976 lag, möglicherweise schon im 9. Jahrhundert, und diese zu einem unbekannten Zeitpunkt an Berthold und später an Metten kam. Vielleicht sollte mit der Übergabe der von Klaus Schwarz als „Landesburg“ bezeichneten Anlage, die sowohl der Verwaltung als auch der Stationierung von Truppen und der Einlagerung von Vorräten dienen konnte, samt Wirtschaftsflächen und möglicherweise einem Zoll, der sich aus dem Flussübergang erschließen lässt, die geringe Grundausstattung des um 766 gegründeten Klosters verbessern. Ein solcher Vorgang ist allerdings nur dann zu verstehen, wenn die Befestigung für den Herzog keine Funktion mehr hatte. Lediglich in der Zeit der Ungarneinfälle kann sie dank ihrer aufwändigen Befestigung innerhalb des bairischen Wehrsystems eine Rolle gespielt haben. Vielleicht bestand nach 955 kein Bedarf mehr für zwei Befestigungen in geringer Entfernung voneinander, denn die Abschnittsbefestigung von Steinkirchen, nur etwa 8 km donauabwärts gelegen, die nach der Entdeckung einer zugehörigen Kirche samt Bestattungsplatz jetzt ebenfalls als herzoglicher Verwaltungssitz betrachtet wird, könnte den herzoglichen Anforderungen entsprochen haben. Auch wenn derzeit weder für Steinkirchen noch für Wischlburg archäologische Daten zur Nutzungsdauer der jeweiligen Befestigung vorliegen, dürften sie zumindest zeitweise nebeneinander bestanden haben.

Die Interpretationsprobleme der Wischlburg wurden auch dadurch hervorgerufen, weil wir keinerlei Vorstellungen von einer eigentlich zu erwartenden Innenbebauung hatten. Trotz mehrfacher Befliegung änderte sich daran lange Zeit nichts. Da gelang Otto Braasch 1984 eine aufregende Luftbildentdeckung, nämlich eine aus drei Gräben und evtl. einer Palisade bestehende Abschnittsbefestigung in der Nordecke, in der sich noch dazu ein rechteckiger Grundriss befand. Braasch wollte sich damals nicht auf eine zeitliche Festlegung einlassen, brachte aber hochmittelalterliche Entstehung ins Gespräch. Eine 2002 im Bereich der von Braasch entdeckten Gräben vorgenommene archäologische Untersuchung beendete alle Spekulationen, da sich die Grabenanlage als jungsteinzeitlich herausstellte.

Genau innerhalb der Ostecke der Befestigung, dort wo sie am markantesten erhalten ist, sollte 2004 ein Einfamilienhaus errichtet werden. Beim Aushub des Kellers kam völlig überraschend ein weiterer Spitzgraben zutage, der sich parallel zum bestehenden Wall erstreckt und mindestens 8 m breit und 4 m tief ist. Wie lange der Graben offen stand, lässt sich nicht abschätzen, doch sprechen fehlende Humusbildung und geringfügiges Fundmaterial gegen eine längere Nutzungsdauer. Wahrscheinlich wurde das Aushubmaterial nach innen zu einem Wall aufgeschüttet und bald wieder in den Graben geräumt. Es muss also wenigstens zeitweise ein Befestigungssystem aus zwei Wällen und zwei Gräben bestanden haben. Vielleicht wurde zu Zeiten der Ungarngefahr als zusätzliches Hindernis an einer bereits bestehenden Befestigung ein weiterer Graben samt Wall angelegt und nach 955 wieder zugefüllt, wie Vergleiche mit Befunden an anderen einschlägigen Denkmälern nahe legen.

Literatur

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