Künzing-Bruck Abb. 5 Grab 2 Inventar
Künzing-Unternberg_Abb. 10_Museum_Kreisgrabenanlage Ausschnitt
Museum Künzing_Blick in einen Teil der vorgeschichtlichen Abteilung.jpg

Der Silexschlagplatz von Bruck

Im Zuge der zwischen 1987 und 1993 im Baugebiet Bruck vorgenommenen archäologischen Untersuchungen kamen Funde fast aller Zeitstufen zutage, besonders der älteren und mittleren Jungsteinzeit, der Glockenbecherkultur, der frühen und mittleren Bronzezeit sowie der Urnenfelderzeit.

Im Nordosten des Grabungsareals wurden 1991 auf sehr kleinem Raum drei ungewöhnliche Silexanhäufungen dokumentiert, deren Ausdehnung zwischen 25 und 40 cm lag, ihre Dicke zwischen 10 und 20 cm. An Stelle A befanden sich 377 Silices mit 1,1 kg, Stelle B wies 1822 Stücke mit 13,7 kg auf und und Stelle C 1344 Stücke mit 9,1 kg Gesamtgewicht. Während die Silexanhäufung C mit keinem Befund in Verbindung zu bringen war, lagen die Fundstellen A und B im oberen Bereich einer großen Siedlungsgrube, die keramisches Fundmaterial der ausgehenden älteren Jungsteinzeit (späteste Linienbandkeramik) und der mittleren Jungsteinzeit enthielt. Eine benachbart gelegene weitere große enthielt Keramik enthielt nur Keramik der ausgehenden älteren Jungsteinzeit. Eine exakte chronologische Zuweisung des Fundmaterials ist deshalb leider nicht möglich.

In den drei Deponierungen zeichnet sich ein überproportionaler Anteil von Ortenburger Jurahornstein ab, ein Rohmaterial, das zwischen Münster bei Straubing und Ortenburg im geologischen Horizont der Ortenburger Kieselnierenkalke an mehreren Stellen ansteht. Das nächstgelegene bekannte und teilweise archäologisch untersuchte Abbaugebiet befindet sich nördlich der Donau bei Flintsbach im Markt Winzer, etwa 7 km Luftlinie von Bruck entfernt. Die Herkunft des Rohmaterials von dort ist somit sehr wahrscheinlich.

Anhand der Grundformenanteile ist eine Deutung der Silexanhäufungen als Hinterlassenschaft eines Schlagplatzes, also eines Werkstattareals wahrscheinlich. Einen vergleichbaren Befund gibt es auch in Mitterfecking im Landkreis Kelheim. An diesen Fundstellen sind Artefakttypen wie Kerne, Absplisse, Abschläge und Trümmer, die in direktem Zusammenhang mit intensiver Grundformenproduktion stehen, gut repräsentiert. Klingen als bevorzugte Endprodukte sowie weiter modifizierte Geräte sind dagegen vergleichsweise selten. Daraus lässt sich folgern, dass die Bewohner bergwerksnaher Siedlungen in größerem Maße am Abbau beteiligt waren, das Rohmaterial in die Siedlung verbrachten und dort weit über den eigenen Bedarf hinaus Grundformen und Kerne für die Weitergabe produzierten. Warum das Material von Bruck in der dortigen Siedlung verblieb, bleibt unbekannt.

Literatur

  • A. Grillo, Hornsteinnutzung und -handel im Neolithikum Südostbayerns. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 12 (Langenweißbach 1997), zu Künzing S. 58-60.
  • A. Grillo/F. Schopper, Ein neolithischer Silexschlagplatz in Bruck, Gemeinde Künzing, Landkreis Deggendorf, Niederbayern. Das Archäologische Jahr in Bayern 1991 (1992) S. 30-31.
  • J. Pechtl, Mineralische Rohstoffe in der Linienbandkeramischen Kultur Südbayerns. Fines Transire 26, 2017 (in Druckvorbereitung)
  • W. Weißmüller, Der Silexabbau von Flintsbach-Hardt, Markt Winzer, Lkr. Deggendorf. Eine bedeutende Materiallagerstätte für die Steinzeit Südostbayerns. In: K. Schmotz (Hrsg.), Vorträge des 9. Niederbayerischen Archäologentages (Buch a. Erlbach 1991) S. 11-40.
  • W. Weißmüller, Die Hornsteinlagerstätte von Flintsbach-Hardt. Geologie und Archäologie. Archäologische Denkmäler im Landkreis Deggendorf 10 (Deggendorf 1996).
Seitenanfang